Selbstbedienung im Rathaus?


Selbstbedienung im Rathaus?
Daniel Schober, Landesgeschäftsführer
11. März 2026
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Klagenfurt erlebt schwierige Zeiten: Die Stadt spart, die Menschen spüren die Teuerung – und das Vertrauen in die Politik bröckelt. Umso genauer muss man hinsehen, wie mit Steuergeld umgegangen wird. Der folgende Fall wirft ein grelles Licht auf ein System, das sich zu oft selbst bedient, statt den Menschen zu helfen.
Selbstbedienung im Rathaus?
Klagenfurt steckt finanziell in der Krise, doch ausgerechnet der Vizebürgermeister ließ sich über 1.000 Überstunden aus seiner Zeit als Büroleiter auszahlen – rund 39.000 Euro brutto aus Steuergeld. Während überall von Sparzwang die Rede ist, findet sich für solche Sonderzahlungen offenbar problemlos Geld. Das sorgt nicht zufällig für massive Kritik und Rücktrittsforderungen.
Sparen für die Vielen
Wenn es um Pflege, Bildung oder soziale Leistungen geht, heißt es stets: „Kein Spielraum.“ Beschäftigte im öffentlichen Dienst müssen um faire Anpassungen kämpfen, bei Leistungen für Familien oder Pensionist:innen wird gekürzt. Gleichzeitig zeigt dieser Fall, wie großzügig das System wird, wenn es um politische Spitzenfunktionäre geht.
Kein Einzelfall, sondern System
Das Problem ist größer als eine einzelne Auszahlung. Hohe Politikergehälter, Zulagen und Sonderregelungen schaffen eine politische Elite, die materiell weit entfernt ist vom Alltag der Mehrheit. Während die Bevölkerung mit Teuerung und steigenden Mieten zu kämpfen hat, beziehen Spitzenpolitiker hohe Luxus-Gehälter.
KPÖ: Politikergehälter kürzen
Für die KPÖ ist klar: Politik darf kein Selbstbedienungsladen sein. Wir fordern eine deutliche Kürzung von Politikergehältern, klare und transparente Regeln bei Zulagen sowie eine Orientierung am Durchschnittseinkommen statt an Spitzenbezügen. Öffentliche Mittel gehören ins Gemeinwohl – nicht auf private Konten.
Kommentar: Die Stadtpolitik muss jetzt Vertrauen zurückgewinnen
Die Klagenfurter Stadtpolitik steckt im Dauerkrisenmodus. Statt Lösungen für Wohnen, Teuerung oder Infrastruktur zu präsentieren, dominieren Skandale und Rechtsstreitigkeiten die Schlagzeilen. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, ob es hier noch um das Wohl der Stadt oder nur um Machtspiele geht. Dieses Bild schadet nicht nur einzelnen Personen, sondern dem Vertrauen in die Demokratie vor Ort insgesamt.
Affären und Rechtsstreit
Der Bürgermeister steht wegen zweier externer Berichte um 30.000 Euro in der Kritik, die ohne Gremienbeschluss beauftragt worden sein sollen. Gleichzeitig sind die Stadtwerke wegen einer umstrittenen Auftragsvergabe vor Gericht, es geht um hohe Summen. Beide Fälle werfen Fragen zu Transparenz und Verantwortung auf. Das wäre schon schlimm genug, wenn das nur die einzigen Fälle wären. Dem ist aber ja nicht so.
Ein Jahr bis zur Wahl
Am 28. Februar 2027 wählt Klagenfurt einen neuen Gemeinderat. Bleibt der Eindruck von Chaos und Selbstbeschäftigung bestehen, droht erneut eine niedrige Wahlbeteiligung. Viele Menschen haben schon jetzt genug von diesem Schauspiel und ziehen sich zurück. Noch bleibt ein Jahr, um aufzuräumen, Fehler einzugestehen und Vertrauen neu aufzubauen. Ohne klare Konsequenzen und echte Transparenz wird das nicht gelingen.