Schuldach vs. Kapitalismus


Schuldach vs. Kapitalismus
Daniel Schober, Landesgeschäftsführer
10. Mai 2026
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In Klagenfurt/Celovec muss erst die Decke einstürzen, damit sich etwas bewegt. Jahrelang wurde die Sanierung der Mittelschule St. Peter hinausgezögert – obwohl die bröckelnden Decken und kaputten Fenster dem Facility Management der Stadt bekannt waren. Nun – nach dem Einsturz – wird die Planung plötzlich neu aufgerollt. Die Schule zählt mit rund 750 Schüler:innen zu den größten Pflichtschulen der Stadt und weist seit Jahren erheblichen Sanierungsbedarf auf. Erst jetzt wurden 1.160 Unterschriften von Eltern und Lehrer:innen gesammelt, die eine rasche Umsetzung fordern – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich viele zuvor nicht gehört gefühlt haben.
Was wie ein Einzelfall wirkt, ist ein Systemproblem. In Österreich sind Schulgebäude Aufgabe von Gemeinden und Ländern, also genau jener Ebenen, die seit Jahren unter massivem Budgetdruck stehen. Die Folge: Es wird gespart, verschoben und ausgesessen. Nicht, weil niemand die Probleme kennt, sondern weil Bildung im politischen Alltag als Kostenfaktor behandelt wird. Und dann passiert es: ein Einsturz, eine Sperre des Geschosses, ein öffentlicher Aufschrei. Und nach monatelanger Planungsverzögerung durch einen ÖVP-Stadtrat wird nun plötzlich gehandelt. Dasselbe Muster zeigt sich auch an anderen Stellen in Klagenfurt/Celovec – etwa beim Hallenbad, das so lange verfallen gelassen wurde, bis es schließlich nicht mehr nutzbar war.
Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das öffentliche Infrastruktur und die Menschen dahinter vernachlässigt, solange es irgendwie geht. Investiert wird erst dann, wenn es zu spät ist. Bildung, Gesundheit und öffentliche Daseinsvorsorge dürfen aber nicht als reine Kostenstellen behandelt werden – sie sind die Grundlage eines guten Lebens für alle. Solange öffentliche Investitionen vor allem nach kurzfristigen Budgetlogiken und nicht nach gesellschaftlicher Notwendigkeit bewertet werden, bleibt genau dieses Muster bestehen. Eine grundlegende Veränderung dieser Prioritäten ist im bestehenden System nicht vorgesehen – und doch wäre sie dringend notwendig.