Klagenfurt: Hilfssysteme am Limit


Klagenfurt: Hilfssysteme am Limit
Bea Samwald, Landessprecherin
28. Mai 2026
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Über Monate wurde davor gewarnt, nun ist es soweit: Die Caritas Kärnten steht personell wie finanziell „an der Grenze der Belastbarkeit” (Caritasdirektor Ernst Sandriesser). Damit droht der Zusammenbruch der Hilfssysteme für wohnungslose Menschen. Deren Zahl hat sich in den vergangenen Jahren beinahe verdoppelt. So gab es im vergangenen Winter etwa mehr Nächtigungen im Eggerheim als je zuvor. Weil Menschen in Klagenfurt/Celovec mittlerweile bis zu neun Monate auf Wohnraum warten müssen, harren viele in dieser Zeit in Notquartieren aus.
Wenn Hilfe an ihre Grenzen stößt...
Dass eine Einrichtung wie das Eggerheim, die jährlich rund 1.000 Menschen versorgt, zu einem großen Teil auf Spenden angewiesen ist, obwohl Wohnen und soziale Absicherung öffentliche Aufgaben sind, ist ein politisches Armutszeugnis. Gemeinden und Land finanzieren nicht einmal die Hälfte der Kosten.
Besonders alarmierend ist auch die zunehmende Gewalt gegen obdachlose Menschen. Zuletzt kam es sogar zu Angriffen auf das Eggerheim selbst: Steine wurden über die Mauer geworfen und eine Sozialarbeiterin beinahe verletzt. Wer arm ist oder kein Dach über dem Kopf hat, erlebt so nicht nur Ausgrenzung, sondern zunehmend offene Feindseligkeit.
...während Luxus gerettet wird
Gleichzeitig wird in Velden/Vrba darum gerungen, wie eine rechtswidrig errichtete Luxus-Apartmentanlage am Wörthersee – in der auch Prominente Eigentum besitzen – doch noch erhalten werden kann. Während Menschen monatelang auf ein Dach über dem Kopf warten, wird mit juristischen und politischen Verrenkungen versucht, Luxusimmobilien zu retten.
Ein System, das Armut hervorbringt
Diese Gleichzeitigkeit ist kein Zufall. Sie zeigt, wie Wohnen in unserem System behandelt wird: als Renditeobjekt für wenige statt als Grundrecht für alle. Wohnungs- und Arbeitslosigkeit sowie die meist vorausgehende Armut sind keine individuellen Schicksale, sondern Ausdruck der Widersprüche des kapitalistischen Systems, das diese Zustände notwendigerweise immer wieder hervorbringt.
Es braucht endlich mehr Gemeindewohnungen, einen massiven Ausbau leistbaren Wohnraums und eine verlässliche öffentliche Finanzierung sozialer Einrichtungen.
Menschen dürfen nicht auf der Straße landen, weil Politik und Markt versagen. Wohnen ist ein Menschenrecht – keine Ware.